Der Schroffe
29.10.2016
Route: (Engelberg) – Trübsee – Jochpass – Oberi Gumm – P. 2323 – Plateau südlich vom Graustock – P. 2542 – Graustock (2662) – P. 2414 – P. 2428 – Follenseeli – Siwbalm – Hengliboden – Tannalp – Melchsee-Frutt
Sehr zu meiner Freude nehmen die Melchsee-Frutt Bahnen an diesem schönen Herbstwochenende ihre Anlagen ausnahmsweise nochmals in Betrieb (die Engelberg-Trübsee Bahn ist ganzjährig offen). Somit steht meinem Plan, von Trübsee via Graustock zur Melchsee-Frutt zu wandern, nichts im Weg.
Die schroffe Berggestalt steht in einer wilden und faszinierenden Landschaft, die Aussicht vom Gipfel ist prächtig und die Tiefblicke sind atemberaubend. Das sind gute Gründe um den Berg wieder einmal zu besuchen. Die Idee heute: den Graustock von Ost nach West überschreiten.
Mein Bergtag beginnt in Engelberg, an der Talstation der Titlisbahnen. Zusammen mit rund 30 Skifahrern und einer handvoll Wanderern warte ich, bis sich die Gondeln in Bewegung setzen. Bei der Station Trübsee verabschiede ich mich dann von den dick eingepackten Skifahrern, die noch weiter zum Titlisgletscher hochfahren.
Die Sonne färbt erst die Bergspitzen ein, es ist kalt und sehr ruhig. Zuerst führt mich der Weg etwas runter zum Trübsee und dann über die topfebene Wiese an den Fuss der Jochnasen. Nach dem Zickzackweg über den steilen Hang habe ich bereits angenehm warm. Weiter geht es durch etwas flacheres Gelände, am Ochsenhorn vorbei, bis zum Jochpass. Vom Übergang folge ich dem Weg via Oberi Gumm zu P. 2323. In den bereits besonnten Hängen über mir tummelt sich eine Gruppe Steinböcke. Bei P. 2323 stehe ich dann auch in der Sonne. Nun verlasse ich den Wanderweg und quere das Schaftal, bis ich am Fuss des eindrücklichen Felsriegels stehe. Über die zuvor angepeilte Zickzackspur und eine Kraxelstelle überwinde ich den Riegel und erreiche so das Plateau südlich des Graustocks. Ich bestaune zuerst einmal dessen imposante Südwand und die inzwischen noch kargere Landschaft. In den steilen Geröllhalden sind wieder Steinböcke auszumachen. Nach dem kurzen Halt steige ich über den breiten Gras- und Felskamm zu P. 2542 hoch und folge dem gestuften Grat. Der letzte Aufschwung sieht nicht nur aus der Distanz wild aus, er ist es auch. Während ein paar Metern muss ich dann kräftig zupacken und stehe kurz darauf mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf dem Gipfel. Der wunderschöne Aufstieg und das fantastische Panorama entlocken mir einen freudigen Juchzer! Ich suche mir einen Pausenplatz und geniesse den Ort, den ich ganz für mich alleine habe.
Der Abstieg vom Graustock ist ebenfalls eine steile Angelegenheit. Er führt meist auf Wegspuren nahe der Kantonsgrenze an P. 2608 vorbei, ein paarmal werden die Hände gebraucht. Im unteren Teil steige ich durch eine Rinne zum Grasrücken ab und erreiche so P. 2414. Während ich nordwärts in die Nähe von P. 2431 schreite, queren über mir ein paar Gämsen geräuschvoll die steile Geröllhalde. Nun betrete ich in eine riesige Felsarena, durchquere diese und peile P. 2428 an der Gratkante an. Nach einer Pause geht es durch die faszinierende Karstlandschaft zum Follenseeli und via Siwbalm runter zum Hengliboden, wo sich auch der Beobachtungsposten für die Bartgeier befindet. (Seit 2014 werden in diesem Gebiet Jungtiere ausgewildert.)
Nun wandere ich über den flachen Hengliboden, wo ich zum ersten Mal seit dem Start am Trübsee wieder auf Menschen treffe, zur nahegelegenen Tannalp. Die Sonnenterrasse des Berggasthauses ist mir aber zu voll für einen Halt und ich ziehe es vor, das letzte Stück zur Melchsee-Frutt direkt anzugehen. Nach einem Blick zurück auf den Graustock, der sich aus dieser Perspektive sehr abweisend und schroff zeigt, gehe ich weiter. Das Herbstlicht, die warmen Farbtöne der Natur und die einzigartige Landschaft des Hochplateaus machen auch den letzten Teil der heutigen Tour zu einem besonderen Erlebnis.
Mit vielen schönen Bildern im Kopf gondele ich schliesslich der Stöckalp entgegen…
Weitere Infos:
- SAC Clubführer: Zentralschweizerische Voralpen
- SAC Alpinwandern / Gipfelziele: Zentralschweiz, Vierwaldstättersee
Heihei, endliche schaue ich mal bei deinem Blogg vorbei. Und tja, den Graustock kenne ich doch? Inklusive unserem Badesee…
LikeLike
Hihi… ja genau inklusive Badesee… der war aber mit einer zarten Eisschicht überzogen… nix mit baden du… ;-)
LikeLike