Ein stiller Bergtag…
31.12.2016
Route: (Sörenberg) Hirsegg – Stächelegg – Stächeleggstall – Alp Schlund – Ober Ruchweid – Chlus – P. 1868 – P. 1934 – P. 1925 – P. 1997 – Hängst (2091) – P. 1931 – Heideloch – P. 1840 – Silwängen – P. 1529 – Bodenhütten – P. 1169 – Hirsegg
Die Möglichkeit, am letzten Tag des Jahres durch eines meiner Lieblingsgebiete zu wandern, ist für mich Motivation genug, um in aller Frühe aufzustehen. Einmal mehr ist die urige und faszinierende Karstlandschaft der Schrattenflue mein Ziel. Zuletzt, anfangs November, hatte ich die Hächle überschritten. Heute möchte ich auf den Hängst, eine weitere Erhebung am beeindruckenden Bergmassiv bei Sörenberg.
Insgeheim wünsche ich mir für heute einen stillen Bergtag…
An der Haltestelle Hirsegg (P.1071) verlasse ich das Postauto. Als Erstes schaue ich hoch zur Schrattenflue. Der blasse Himmel und die rötlichen Farben am Horizont kündigen den baldigen Sonnenaufgang an. Ich schnüre die Wanderschuhe und schicke mich an, in diese wunderbare Morgenstimmung zu schreiten. Zuerst überquere ich die Brücke, die über einen namenlosen Bach führt und zweige kurz darauf beim Bauernhof nach links ab. Wenig später verlasse ich die geteerte Strasse und folge dem Wanderweg Richtung Stächelegg. Das Gelände flacht nach einem ersten stotzigen Hang bereits wieder etwas ab. Während ich über die gefrorenen Wiesen der Alp Schlund entgegen wandere, erwacht der Tag langsam aber sicher. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln an den Gipfeln. Bei der Alp Schlund führt der Weg in einen anfänglich dichten Wald hinein, der dann im Bereich der Ober Ruchweid immer lichter wird. Je näher ich der Waldgrenze komme, umso knorriger werden die Bäume und das Kalkgestein prägt immer mehr die Landschaft. Dann, kurz vor der fantastisch gelegenen Chlus-Hütte, am Fusse des Schibengütschs, öffnet sich der Blick zum ersten mal Richtung Berner Hochalpen und ich lege eine Rast ein.
Danach entscheide ich mich für die Route, die unterhalb des Grates in Richtung Hängst hindurchführt. Ich folge also dem Pfad hinauf in die Nähe von P. 1868, wo ich langsam aber sicher schneebedecktes Gelände betrete. Der Schnee ist so gut verdichtet, dass er mich bestens trägt und nicht einsinken lässt. Die auf einer Kuppe stehenden Gämsen haben mich inzwischen auch entdeckt, geben ihren typischen Zischlaut von sich und ziehen von dannen. Nun geht es weiter bergan zu P. 1934 und anschliessend ein paar Meter runter zur Ebene bei P. 1925. Die topfebene Fläche verblüfft mich jedesmal. In der zerklüfteten und wilden Natur wirkt dieser Ort doch einigermassen surreal. Der Weiterweg schlängelt sich wie bis anhin malerisch durch Tälchen, Furchen und über kleine Ebenen bis unter den Gipfel vom Hängst. Die letzten Meter bis zum höchsten Punkt der Schrattenflue steige ich über die Gipfelflanke direkt hoch. Auf dem Hängst ist man eigentlich nie alleine. Heute sitzen wir aber nur zu zweit da oben. Der andere Wanderer scheint weder Rast noch Ruh zu finden und verschwindet schon bald wieder in dieser heute verlassenen Landschaft.
Die gewaltige Landschaftskulisse und der fantastische Rundblick lassen mich lange auf dem Gipfel verweilen. Nach einem scheuen Blick auf die Uhr, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine sieben Sachen zu packen und mich an den Abstieg zu machen. Im Schnee und an einigen Dolinen (Karsttrichter) vorbei suche ich mir einen Weg via P. 1931 bis zum Heideloch hinunter. Danach folge ich in nordöstlicher Richtung, ungefähr die Höhe haltend, den vereinzelten Steinmännchen. Der Blick zurück zum Hängst, kurz nach dem Heideloch, ist für mich einer der Schönsten an der Schrattenflue. Zufrieden wandere ich weiter und als ein formschöner Felsklotz (P. 1840) auftaucht, zweige ich nach rechts ab. Über scharfkantige Karren und Schneefelder geht es runter und ich erreiche schon bald die Weiden der Alp Silwängen. Bei der Alphütte nehme ich mir noch einmal Zeit für eine gemütliche Pause.
Den Verbindungsweg zur Alp Bodenhütten, den ich bis anhin noch nicht kannte, möchte ich jetzt noch auszukundschaften. Nach einem Blick in die Karte mache ich mich auf den Weg. Der Pfad, der durch einen märchenhaften Wald führt, liegt allerdings meist unter einer Schneeschicht. Ich verlasse mich auf mein Gespür und gehe weiter. Ab und zu entdecke ich aufgepinselte Wanderwegzeichen an den Bäumen. Kurz vor Bodenhütten trete ich aus dem Wald und gelange über eine Wiese zur Alp. Danach wandere ich gemütlich auf der Alpstrasse und durch einen weiteren Wald hinab zu P. 1169, wo ich wieder auf die Strasse von vorhin treffe. Dieser folge ich nun bis zur Hirsegg, meinem Ausgangspunkt von heute Morgen.
Wow! Das war der stille Bergtag, den ich mir gewünscht hatte!
Weiter Infos:
- SAC Alpinwandern / Gipfelziele: Entlebuch, Emmental
- SAC Clubführer: Zentralschweizerische Voralpen