Zwischen den Jahren…
28.12.2016
Route: Sörenberg – Flüehütten – Howien – Buecherenschwand – P. 1767 – Nünalpstock (1900 / 1893) – Teufimattsattel – Haglere (1948) – Dählebode – P. 1717 – Bleikechopf (1680) – Bleikeboden – P. 1164 – Oberflühli – Bunihus – Hüttlenen – Flühli
Der Winter ist immer noch nicht gekommen und so schmiede ich auch in der Zeit zwischen den Jahren Wanderpläne. Meine Wahl fällt auf das Gebiet um die Haglere bei Sörenberg in der Unesco Biosphäre Entlebuch. Es soll eine aussichtsreiche Genusstour werden, die über Weiden, durch ein Hochmoor und schöne Wälder führt.
Im Dorfzentrum von Sörenberg ist es ruhig an diesem kalten und klaren Morgen. Die wenigen Wanderer, die auch im Postauto mitgefahren sind, schlagen andere Richtungen ein und scheinen andere Pläne zu haben, was mich aber nicht im geringsten stört… ;-)
Zuerst geht es auf einem Quartiersträsschen an P. 1210 vorbei in Richtung Flüehütten zu P. 1220. Da verlasse ich das Strässchen und folge den Wegzeichen über eine angenehm steile Wiese hoch zur Alphütte von Howien. Als ich einen Blick zurückwerfe, stelle ich fest, dass bereits die ersten Sonnenstrahlen an der Schrattenflue und dem Hohgantgipfel kratzen – ein schöner Moment. Nach einem zufriedenen Seufzer gehe ich weiter bergan, durch locker bewaldetes Gelände, hinauf zur Alp Unter Buecherenschwand (P. 1501). Nach vielen weiteren Kehren komme ich schliesslich beim Alpgebäude von Ober Buecherenschwand an die Sonne. Nach einer kurzen Verschnaufpause wandere ich in der immer offener werden Landschaft hoch zum Grat (P. 1767). Hier öffnet sich der Blick zum ersten Mal in Richtung Stanserhorn und über das Sarneraatal, das heute unter einer Nebeldecke liegt. Mit meinem ersten Tagesziel vor Augen folge ich dem Grat, der zunehmend steiler wird, bis auf den Gipfel. Wow! Der Blick vom Nünalpstock, vor allem Richtung Pilatus, ist ein Traum. Ein paar Meter weiter, beim niedrigeren der beiden Gipfel des Nünalpstocks, ist der Blick mehr oder weniger frei auf das eindrückliche Trümmerfeld des Bergsturzgebietes von 1910. Damals löste sich nach heftigen Regenfällen ein beträchtlicher Teil der südlichen Gipfelpartie und donnerte bis nach Sörenberg runter. Mein Weiterweg führt nun an dieser Abrisskante entlang runter zum Teufimattsattel, anschliessend gelange ich durch einen knorrigen Wald und über eine Weide hoch zum Gipfel der Haglere. Nachdem ich den wunderbaren Rundblick ausgekostet habe, suche ich mir ein windgeschütztes Plätzchen für die Pause. Rund achthundert steile Meter über Sörenberg, in der Sonne sitzend und mit Blick auf die Schrattenflue, lässt es sich gäbig verweilen – es fühlt sich sogar äusserst gut an.
Danach folge ich dem Pfad runter zum Dählebode. Hier wähle ich aber nicht den Weg nach Sörenberg, sondern den, der durch das malerische und geschützte Hochmoor Richtung Bleikechopf leitet. Ein unglaublich schöner Abschnitt durch einen bezaubernden Föhrenwald, mit bizarren Baumstrünken und einer einzigartigen Flora. Das wird mir vor allem bewusst, als ich kurz vor dem Bleikechopf, beim Weidezaun, wieder bewirtschaftetes Gelände betrete und sich die Vegetation abrupt ändert. Beim Bleikechopf lege ich nochmals eine Rast ein, bevor es dann runter zur Alp Rohr beim Bleikenboden (P. 1526) geht. Da angekommen entscheide ich mich für den Weg, der auf der Nordseite unterhalb des Bleikechopfs durch den steilen und schattigen Wald führt. Da wo die Sonnenstrahlen in dieser Jahreszeit gar nicht mehr hinkommen, wirkt die Natur wie erstarrt unter der Raureifschicht. Erst kurz vor P. 1164 verlasse ich den Wald und komme wieder an die Sonne. Nun wandere ich auf der Strasse oder mal abkürzend über Wiesen runter nach Oberflühli, Bunihus bis zur Postautohaltestelle Hüttlenen. Da ich vor lauter Freude über diesen Traumtag die Zeit nicht wirklich beachtet habe, sehe ich das ursprünglich mal angepeilte Postauto nur noch aus der Ferne. Also nehme ich das letzte Stück der Waldemme entlang bis nach Flühli City auch noch unter meine Füsse. Die verbleibende Zeit, bis zum nächsten Postautokurs, verbringe ich zufrieden in einem angeschriebenen Haus. Prost!
Weitere Infos:
- SAC Alpinwandern / Gipfelziele: Entlebuch, Emmental
- SAC Clubführer: Zentralschweizerische Voralpen