Aufs G(e)rat(e)wohl…
4.12.2016
Route: (Flühli) Hüttlenen – Kragen – Hinterrüchi – Grön – Hurbele – P. 1731 – Wasserfallenegg – P.1731 – Schafmatt (1978) – P. 1901 – P. 1815 – P. 1834 – Äbnistetteflue (1815) – Wegspur auf 1600 – Toregg – Ober Loegg – Schimbrig Bad (1426) – Stettili – Understettili – Stilaub – Gfellen
Anfangs Dezember – seit Tagen hängt der Nebel in Luzern fest und ich brauche dringend ein paar Stunden an der Sonne. Das milde Wetter über der Nebelsuppe hat den Schnee zum grössten Teil wieder verschwinden lassen und das Gebiet zwischen Flühli und Gfellen, im Entlebuch, ist zu dieser Zeit meist ruhig und verlassen. Für heute habe ich ein paar Ideen, weiss aber nicht, was dann wirklich auch möglich ist und beschliesse mal auf die Wasserfallenegg zu wandern – aufs Geratewohl…
Am Dorfrand von Flühli, bei der Postautohaltestelle Hüttlenen, beginnt meine Wanderung und die wunderbare Morgenstimmung macht schon mal Freude. Zuerst geht es gemütlich auf der Strasse, entlang des Rotbachs, nach Kragen. Hier nehme ich den linken Weg, der führt etwas ruppig durch den steilen Wald und die Schluchtwand hoch in das Alpgebiet von Rüchi. Da folge ich dem unteren Pfad durch die malerische Landschaft, zuerst an der Alp Hinterrüchi vorbei, dann unterhalb von Guggenen durch und weiter bis zur Alp Grön. Seit einer ganzen Weile wandere ich nun schon an der Sonne, die Vögel pfeifen und zwitschern als sei es bereits Frühling und die Natur leuchtet in warmen Farbtönen – Seelenbalsam. Via Hurbele und P. 1731 gelange ich auf die Wasserfallenegg, die grösstenteils noch im Schatten des Fürsteins liegt, steuere den einzigen sonnigen Platz an und mache an diesem schönen Ort eine kurze Pause. Während ich den Blick über die Landschaft schweifen lasse, sehe ich mir die möglichen Ziele an und entscheide mich für die Schafmatt.
Von der Wasserfallenegg gehe ich deshalb zurück zu P. 1731 und steige dann ziemlich direkt und weglos, rechts der letzten Bäume, hoch zum südwestlichen Ende des Gipfelkammes. Nun folge ich dem Grat bis auf den Gipfel der Schafmatt. Eine kleine Gruppe von Gämsen überlässt mir freundlicherweise das windgeschützte Plätzchen beim höchsten Punkt. Bevor ich mich um meine weitere Route kümmere, geniesse ich zuerst einmal diesen wunderbaren und heute einsamen Ort. Sehr zu meiner Freude stelle ich dann fest, dass der Grat zwischen Schafmatt und Äbnistetteflue, ein besonderer Leckerbissen, quasi schneefrei ist. Judihui…
Vom Gipfel bis zur Äbnistetteflue ist es ein ewiges Auf und Ab, die Route folgt mehr oder weniger der Gratkante. Manchmal weichen die spärlichen Spuren etwas in die Flanke aus, die zum Teil mit Heidelbeergestrüpp bewachsen ist. Später muss ich einen Felsturm umgehen, über steile Wiesen auf- und absteigen oder diese queren. An einer Stelle helfen Steigbügel (ein Überbleibsel aus der Zeit des 2. Weltkrieges) über eine Felsstufe. Ein paar Kraxelstellen hält der Grat auch noch parat. Das Ganze ist eine äusserst kurzweilige und abwechslungsreiche, manchmal auch luftige Sache und immer wenn ich wieder auf einer Kuppe stehe, sehe ich das Gipfelkreuz der Äbnistetteflue… irgendwann stehe ich dann tatsächlich beim Kreuz. Der Blick zurück zur Schafmatt und über den Grat fühlt sich sehr gut an. Yeah!!!
Nach einer längeren Pause packe ich meine sieben Sachen, steige in den letzten Grateinschnitt zurück und von da über eine steile Wiese runter zum Weg, der die Hütte von Chäslistette mit der Toregg verbindet. Bei der Toregg treffe ich auf den ersten Wanderer heute. Via Ober Loegg, Schimbrig Bad wandere ich auf dem aussichtsreichen Weg nach Stettili. In der Nähe von Understettili ist es aber leider vorbei mit der wärmenden Sonne. Der Abstieg nach Stilaub, im Schatten des Schimberigs, über die mit Raureif überzogenen Wiesen hat aber auch seinen Reiz. In Gfellen reicht es gäbig noch für einen Trunk im Restaurant, bevor der Chauffeur das Postauto erbarmungslos in die graue Nebelsuppe runterkurvt…
Weitere Infos:
- SAC Alpinwandern / Gipfelziele: Entlebuch /Emmental
- SAC Clubführer: Zentralschweizerische Voralpen