Karren ohne Ende…
1.11.2016
Route: (Sörenberg) – Hirsegg – P. 1169 – Bodenhütten – Heftihütte – Turm – P. 1977 – Hächle (2088 & 2091) – Tierweid – P. 1933 – Heideloch – P. 1840 – Silwängen – Alp Schlund – Stächeleggstall – Stächelegg – Hirsegg
Im UNESCO Biosphärenreservat Entlebuch befindet sich eines der grössten Karstgebiete der Schweiz: die Schrattenflue. Die wilde, raue, zerfurchte und eigentümliche Landschaft ist ungemein faszinierend und definitiv eines meiner Lieblingsgebiete.
Mein heutiges Ziel, die Hächle, ist einer der vier markanten Gipfel an dem rund sechs Kilometer langen Felsriegel. Die Karrenfelder sind in diesem Bereich besonders ausgeprägt und die bizarren Gesteinsformationen lassen mich immer wieder staunen.
Von der Haltestelle Hirsegg (P. 1071) gehe ich zuerst über eine Brücke, zweige danach rechts ab und folge der Strasse bis zu P. 1169. Dort verlasse ich die Alpstrasse und wandere durch den Wald Richtung Bodenhütten. Kurz vor der Alp treffe ich wieder auf die Strasse, die ich weiter unten verlassen habe und folge ihr bis zu P. 1436. Der Weiterweg führt über eine steile Alpwiese und durch bewaldetes Gelände hoch bis zur Baumgrenze, wo die Karren bereits das Landschaftsbild eindrücklich prägen. Während ich einen kurzen Moment innehalte, schaue ich hoch zur Hächle und zum ersten Pausenplatz, dem Turm. Die Natur wird karger, je näher ich der Heftihütte komme. Die Hütte „klebt“ in einer Felsnische der Hächlezänd und ist ein Relikt aus dem 2. Weltkrieg (heute ist es eine unbewartete SAC Hütte). Ich gehe an der Heftihütte vorbei, folge dem Weg entlang der Hächlezänd und sitze kurze Zeit später auf dem Turm. Der Platz auf diesem Felsen ist so schön, da könnte man gäbig ein paar gemütliche Stunden verbringen. Aber ich will ja auf die Hächle… Vom Turm steige ich zu P. 1977 im Verbindungsgrat Hächle-Hächlezänd hoch. Nun geht es der Nase nach, meist nahe der Gratkante, durch die zerfurchte Karrenlandschaft bis an den Fuss des Gipfelaufbaus. Von hier steige und kraxle ich nahe der Kante auf den Nordost-Gipfel der Hächle. Um auf den Südwest-Gipfel zu gelangen, muss ich zuerst in eine Scharte runterkraxeln. Nach der kleinen Turnerei in die Senke geht es auf der anderen Seite mit einer kurzen Kletterei weiter und wenig später stehe ich auf einem meiner Lieblingsgipfel. Das Panorama reicht an weitsichtigen Tagen vom Säntis über die Glarner-, die Urner-, die Berner- und die Waadtländer-Alpen bis hin zum Mont Blanc. Heute gibt es zudem noch das Nebelmeer über dem Mittelland zu bestaunen. Rundum zufrieden geniesse ich die Pause auf der Hächle.
Der Abstieg über den Südgrat ist eine schöne und aussichtsreiche Angelegenheit. Ich halte mich meist kammnah und gelange über ein paar etwas luftige Passagen und einige Kraxelstellen zur Tierweid. Ab hier folge ich dem Wanderweg über Weidegelände zu P. 1933 und runter zum Heideloch. Nun wandere ich auf dem Weg, in nordöstlicher Richtung, bis zur ersten Weggabelung. Ich zweige rechts ab und steige über Karren runter zum Schiff, ein grosser und formschöner Felsklotz (P.1840). Ich kraxle auf Schiff und gönne mir in dieser fantastisch bizarren Landschaft noch einmal eine Pause.
Danach steige ich weiter ab über die Karrenfelder Richtung Silwängen. Oberhalb der Alpgebäude verändert sich die Natur dann innerhalb von wenigen Metern. Die Karren lasse ich nun hinter mir und schreite über Weiden und an Bäumen vorbei zur Alp Silwängen. Ich nehme das Alpsträsschen Richtung Schlund. Kurz vor der Alp steige ich weglos über Wiesen ab in die Gegend von P. 1399 und folge dem Wanderweg über den breiten Grasrücken zum Stächeleggstall. Von dort sehe ich meine ganze Tour von heute – ein schöner Moment – und wandere via Stächelegg zurück an den Ausgangspunkt, zur Haltestelle Hirsegg.
Nach diesem Traumtag ist für mich klar: Schrattenflue ich komme bald zurück!
Weitere Infos:
- SAC Alpinwandern /Gipfelziele: Entlebuch, Emmental
- SAC Clubführer: Zentralschweizerische Voralpen