Unten grau. Oben blau.
31.10.2016
Route: (Sattel) – Mostelberg – Herrenboden – Bärenfang – Banegg – P. 1474 – Haggenegg – Schärsack – Wegspur oberhalb Geissloch – Grigelli – Haggenspitz (1762) – Grigelli – Klein Mythen (1810) – Vorgipfel P. 1762 – Zwischenmythen – P. 1353 – Gspaa – Brunni
Die Mythen – das sind die zwei auffälligen Felspyramiden in der eher lieblichen und hügeligen Landschaft bei Schwyz.
Heute widme ich mich dem Kleinen Mythen mit seinen zwei Hauptgipfeln: dem Haggenspitz und dem eigentlichen Kleinen Mythen. Dieser spannende Berg lockt mich immer wieder an und jedesmal begeistert er mich aufs Neue. Also nix wie los…
In Sattel (zwischen Art-Goldau und Rothenthurm) muss ich noch ein paar Minuten im dichten Nebel warten, bis die „Drehgondelbahn Stuckli Rondo“ (!) den Betrieb an diesem Morgen aufnimmt. Der Moment, als die Gondel dann durch die letzten Nebelfetzen schwebt und der stahlblaue Himmel sichtbar wird, zaubert mir bereits ein erstes Lächeln ins Gesicht.
Von der Bergstation Mostelberg geht es zuerst an der Hüpfburg und der Rodelbahn vorbei Richtung Herrenboden. Da nehme ich den linken Weg, der mich durch den schönen Wald hoch zum Bärenfang und weiter zur Banegg führt. Hier halte ich einen Moment inne und lasse den Blick über das gigantische Nebelmeer schweifen. Nun folge ich dem Panoramawanderweg Richtung Haggenegg und schon bald tauchen meine beiden Gipfelziele am Horizont auf – gleichzeitig dringen aus dem nahen Wald rätselhafte animalische Laute, die ich nicht einordnen kann. Jänu… Via P. 1474 geht es über Alpweiden und ein kurzes Stück auf der Strasse zur Haggenegg. Hier zweige ich nach rechts ab und gelange auf einem Pfad an Schärsack vorbei an den Nordfuss des Haggenspitzes. Nun quere ich auf Spuren zur grossen Geröllhalde. Bevor ich dann oberhalb des Geisslochs wieder auf ein deutlich sichtbares Weglein stosse, lotsen mich vereinzelte Steinmännchen durch das unwegsame Gelände. Ich folge dem Pfad bis in ein steiles und rutschiges Geröllfeld und steige – immer auf der Suche nach brauchbaren Tritten – hoch Richtung Grigelli, dem Sattel zwischen dem Kleinen Mythen und dem Haggenspitz. Am Fuss einer Felswand, ein paar Meter über mir, entdecke ich plötzlich an die zwanzig Gämsen. Ein Teil des Rudels verzieht sich sofort und die Übrigen beobachten mich noch eine Weile (belustigt oder mitleidig?), ehe sie locker und flink davonspringen. Jaja… Ich habe verstanden und muss grinsen. Das Geröllfeld liegt inzwischen unter mir und nun geht es auf Spuren in den steilen Grashalden weiter hoch zum Grigelli. Auf dem Sattel ist verschnaufen angesagt. Der Schlussaufstieg auf den Haggenspitz beginnt mit einer Querung, danach kraxle ich in Gratnähe durch die Südflanke an Legföhren und Tännchen vorbei zum Gipfel. Der Ausblick vom Haggenspitz ist heute prächtig!
Nach der Pause kraxle ich zuerst wieder zum Grigelli runter. Von da geht es auf Wegspuren über steile Wiesen bis zu einem kleinen Sattel nordöstlich des Kleinen Mythen. Hier entscheide ich mich für die Direttissima, das heisst ich weiche in die Nordflanke des Gipfelkopfs aus, steige etwas hoch und klettere durch den gestuften Kamin direkt zum Kulminationspunkt. Yeah!!! Auf diesem Gipfel zu stehen, ist für mich jeweils ein besonderer Moment… Also suche ich mir einen Pausenplatz und geniesse: Das Nebelmeer ist wunderschön, die Aussicht phänomenal und es ist angenehm still.
Der Abstieg vom Gipfelkopf des Kleinen Mythen beginnt mit einer kurzen und knackigen Kraxelei. Danach folge ich der Wegspur Richtung Südwesten zu P. 1762, dem sogenannten Vorgipfel. Um diesen Punkt zu erreichen, muss ich aber zuerst etwas luftig auf den Südgrat hochkraxeln und folge dann der schmalen Gratkante bis zum Vorgipfel. Nun wandere ich auf einem Weg über Wiesen und durch einen Wald runter zum Sattel, wo ein grosses Holzkreuz steht. Der Ort trägt sinnigerweise den Namen Zwischenmythen. Hier setze ich mich hin und bewundere nochmals das Nebelmeer und alles was aus diesem rausguckt. Zufrieden gehe ich den letzten Teil des Abstiegs an. Ich folge dem Wanderweg zur Alp Zwüschet Mythen (P. 1353) und via Gspaa runter zum Brunni. Auf diesem Abschnitt, der über Alpwiesen und Waldstücke führt, ergeben sich immer wieder schöne Blicke auf den Kleinen Mythen und den Haggenspitz. Da die Sonne inzwischen hinter dem Grossen Mythen hervorlugt und über Zwischenmythen ins Alpthal scheint, wird sofort die feuchte Luft „hochgezogen“ und innerhalb von ein paar wenigen Minuten ist der Kleine Mythen hinter einem zarten Nebelschleier verschwunden. Nebelschwaden ziehen umher und geben zwischendurch den Blick auf den Berg frei – ein kleines Naturspektakel.
Die abwechslungsreiche Tour über diesen wilden und auch steilen Berg gehört zu meinen Lieblingen. Mit den Bildern dieses wunderschönen Tages im Kopf steige ich ins Postauto und lasse mich in den Nebel zurückfahren…
Weitere Infos:
- SAC Alpinwandern / Gipfelziele: Zentralschweiz, Vierwaldstättersee
- SAC Clubführer: Zentralschweizerische Voralpen