Der Unauffällige
16.10.2016
Route: Kreuzhütte – Räckholteren – Gruenboden – Bannalper Schonegg – P. 2266 – P. 2352 – P. 2392 – Rot Grätli – Engelberger Lücke – Wissigstock (2887) – Engelberger Lücke – P.2442 – Rugghubelhütte – Planggenstafel – Tüfelstein – Holzstein – Rigidalstafel – Ristis
Nachdem ich die Beiträge zum Ruchstock und Hahnen geschrieben hatte, wollte ich unbedingt in diesem Jahr noch einmal in das faszinierende Gebiet zwischen der Bannalp und Engelberg.
Das heutige Ziel ist der Wissigstock, den ich schon mehrere Male besucht habe – eine auf den ersten Blick eher unauffällige Erhebung in der Landschaft, vor allem neben dem markanten Engelberger Rotstock. Der wunderschöne Schlussaufstieg zum Gipfel verläuft zwischen zwei Gletschern (oder was davon übrig ist): dem Griessengletscher im Westen und dem Schlossfirn im Norden.
Nach der Ankunft in Oberrickenbach benütze ich die Seilbahn, die mich zur Kreuzhütte auf der Bannalp hochfährt. Es ist kühl an diesem wolkenlosen Herbsttag und das Hochtal liegt noch komplett im Schatten.
Zuerst wandere ich durch Alpgelände via Räckholteren und Gruenboden hoch zum breiten Sattel der Bannalper Schonegg. Auf dem Übergang stehe ich dann erstmals an diesem Tag in der Sonne, mache eine kurze Pause und geniesse den Blick in die Täler und auf die Berge – das frühe Aufstehen hat sich bereits mehr als gelohnt! Danach folgt eine Querung um die „Wilden Böllen“ herum und so gelange ich in die Ebene nordöstlich des Ruchstocks. Nun geht es durch zunehmend verkarstetes und später auch gerölliges Gelände hinauf zu P. 2352. Hier betrete ich die nächste Geländekammer und folge dem gemächlich ansteigenden Weg über Schutt und Geröll in Richtung Rot Grätli. Das Abschmelzen des Schöntaler Firns hat hier eine wilde Gegend freigegeben: das letzte Stück führt vor dem Passübergang über plattige Felsen und ein paar kurze Felsaufschwünge. Auf dem Rot Grätli angekommen, eröffnen sich auf einen Schlag ganz neue Landschaften. Um den schönen Moment zu geniessen, lege ich eine kurze Rast ein.
Danach folge ich den Wegspuren auf dem Grat, der allmählich schmaler wird, Richtung Engelberger Rotstock bis zu einer Scharte. Ich kraxle in diese runter und auf der anderen Seite etwas luftig wieder hoch auf den Grat, der nun wieder breiter wird. Auf einem Schuttband quere ich anschliessend die Flanke des Rotstocks leicht ansteigend bis zur Engelberger Lücke. Nun steige ich auf Spuren, meist im Schnee der letzten Kaltfront, hoch zum Wissigstock. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bestaune ich die Bergwelt, geniesse die Ruhe und gönne mir eine längere Gipfelpause an diesem herrlich milden Herbsttag.
Danach geht es auf dem selben Weg wieder runter zur Engelberger Lücke. Hier setze ich mich kurz hin und schaue fasziniert auf die zerfurchte und zerklüftete Landschaft unter mir, die einst wohl zu einem grossen Teil vom Griessengletscher bedeckt war. Von der Lücke folge ich dem Weg, unter dem Rot Grätli durch, bis zum P. 2442 und weiter durch relativ flaches Karstgelände bis zur Rugghubelhütte. Auf der recht belebten Terrasse der Hütte mache ich nochmals eine Pause. Danach gehe ich den letzten Teil des Abstieges an. Der Weg leitet mich aussichtsreich runter zur Planggenstafel, vorbei am Tüfelstein und via Holzstein zur Rigidalstafel. Ab hier ist es fertig mit der Ruhe… aber nach diesem Traumtag bringt mich nichts mehr aus dem Gleichgewicht und kurze Zeit später steige ich im Ristis in die grosse Gondel und schwebe zufrieden nach Engelberg runter.
Weitere Infos:
- SAC Clubführer Urner Alpen 3: Vom Susten zum Uri-Rotstock
- SAC Alpinwandern / Gipfelziele: Zentralschweiz, Vierwaldstättersee