Das Wetter findet statt…
9.-12.10.2016
Elisabeth und ich wollten eigentlich drei Tage den goldenen Herbst im Engadin geniessen und haben Pontresina für unser Basislager ausgewählt. Schlussendlich wurde es eine Reise in den Winter…
Montag, 10.10.2016
Route: Pontresina – Alp Languard – P. 2589 – Plaun da l’Esen (P. 2824) – P. 2927 – Plaun da l’Esen – P. 2739 – Lej Languard – P. 2562 – P. 2426 – Alp Languard – Pontresina
Am Morgen nach der Anreise präsentiert sich Pontresina frisch eingeschneit. Auf dem Tageswetterbericht im Hotel ist zu lesen, dass uns „Ein freundlicher Mix aus Sonne und Wolken“ erwartet. Den Mix nehmen wir gerne an und doch müssen wir unsere Wanderpläne wohl oder übel umstellen.
Gut eingepackt machen wir uns auf den Weg zur Sesselbahn, die uns auf die Alp Languard hochbringt. Oben angekommen stehen wir in ca. 15cm Neuschnee. Wir freunden uns relativ schnell mit der winterlichen Situation an, denn die Sonne scheint, Wolken und Nebelfetzen treiben umher und so werden immer wieder Blicke auf die imposante Engadiner Bergwelt frei. Es sieht fantastisch aus und fühlt sich gut an.
Wir stapfen kurz entschlossen Richtung Piz Languard los. Ganz hoch wird nicht möglich sein, aber eine Runde unter dem Piz liegt sicher drin. Elisabeth und ich schaffen es via Plaun da l’Esen bis zum P. 2927 hoch, da nebelt es uns grausig ein. Nebel und Schnee zusammen machen definitiv keinen Spass und so steigen wir nach einer Pause wieder etwas ab, bis zur Plaun da l’Esen. Da ist es um einiges freundlicher und wir peilen P. 2739 an, da noch etwas weiter in der selben Richtung bis wir an einen kleinen Bach kommen. Hier spüren wir die Wegspur auf, die uns über den Hang zum Lej Languard runterführt. Die Wege sind unter der Schneedecke zum Teil noch zu erkennen, die Steinmänner sehen aber mehr nach Schneemännern aus.
Von oben betrachtet, schaut der Lej Languard wie ein schwarzer Spiegel aus. In der verschneiten und wolkenverhangenen Landschaft wirkt das recht geheimnisvoll und wir steigen den Hang runter zum kleinen See. Fasziniert starren wir in dieses schwarze Nichts, das unendlich tief sein muss.
Nach einer Pause geht es via P. 2426 durch das Val Languard zurück zur Alp und dem Sessellift. Hier noch einmal ein Blick zurück auf die kurzweilige und wunderschöne Runde. Jetzt steht noch die kalte Talfahrt nach Pontresina an…
Dienstag, 11.10.2016
Route: Pontresina – Val Roseg – Roseg – P. 2022 – P. 2132 – Lej Vadret – P. 2132 – Roseg – Val Roseg – Pontresina
Der Tageswetterbericht im Hotel ist eher pessimistisch, der Blick nach draussen macht definitiv mehr Freude ;-)
Elisabeth und ich entscheiden uns für eine Wanderung durch das Val Roseg und an den Lej Vadret. Der gut ausgebaute und breite Wanderweg durch das lange Tal führt sanft ansteigend durch Föhren- und Arvenwälder. Kurz vor Roseg spuren wir auf die Pferdekutschenautobahn ein. Von Pontresina zum Restaurant und Hotel Roseg gibt es einen Kutschendienst mit Fahrplan. Nach Roseg folgen wir dem Wanderweg entlang der riesigen Schwemmebene weiter in Richtung Lej Vadret. Immer wieder reissen die Wolken auf und geben so für kurze Zeit Blicke frei auf die Berge der Berninagruppe. In der Nähe von P. 2132 bestaunen wir die gewaltigen Moränen, die nach dem Rückzug der Gletscher noch übrig sind und die Dimensionen vergangener Gletscherwelten erahnen lassen. Nach einem kurzen Aufstieg kommen wir zu einer Ebene und langsam rückt der Lej Vadret ins Bild. Der Gletschersee wird vom Vadret da Roseg gespiesen und ist Mitte des 20. Jahrhunderts durch das abschmelzen der Gletscherzunge entstanden. Am Sandstrand sitzend betrachten wir fasziniert die gemächlich treibenden Wolken und lassen die mächtige Berg- und Gletscherwelt an diesem stillen Ort auf uns wirken.
Der Rückweg ist zu Beginn derselbe. Wieder in der Schwemmebene angekommen, verlassen wir den Weg und folgen dem mäandernden Ova da Roseg quer durch die sich dauernd verändernde Landschaft. Im Restaurant Roseg wollen wir kurz an die Wärme. Das ist, wie sich schnell herausstellt, keine tolle Idee. Nach den Stunden der Ruhe in der Natur sind wir ein bisschen überfordert mit dem emsigen und eher nervösen Treiben in der Gaststube und verlassen sie nach kurzer Zeit. Die Pferdekutschen und das drum herum sind uns nicht sehr sympathisch und so wandern wir wieder durch das Val Roseg zurück nach Pontresina. An diesem Tag haben wir viele Tierspuren im Schnee gesehen, aber keine Tiere – bis es plötzlich knirscht und knackt im Unterholz und uns zwei Gämsen, bereits im Winterfell, vor die Füsse springen und uns mit grossen Augen angucken, abrupt die Richtung wechseln und wieder im Wald verschwinden.
Bei der Station Surovas verlassen wir den Wald und finden in Pontresina einen gemütlichen Ort… wo es Kaffee und Kuchen gibt ;-)