Der Schwarze Grat
5.10.2016
Route: (Albulapass) – Chaunt da la Crasta – P. 2401 – P. 2520 – P. 2661 – P. 2744 – P. 2798 – Crasta Mora Ost (2935) – Crasta Mora West (2952) – Fuorcla Taverna – zwischen P. 2414 und P. 2418 – Chaunt da la Crasta
Bergsteigen… Im Sommer 2012 habe ich einen mehrtägigen SAC Ausbildungskurs für Fels und Eis besucht, wo ich das Grundwissen für (Hoch-)Alpine Touren vermittelt bekam. Danach wollte ich das Erlernte natürlich auch anwenden und suchte mir einen Bergführer. Auf eine Empfehlung kontaktierte ich Christian Zinsli. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und sind seither jedes Jahr an 2 Tourentagen gemeinsam unterwegs.
Anfänglich hatte ich die eher bekannten Gipfelziele auf meiner „Wunschliste“. Im Sommer 2014 mussten wir wegen des schlechten Wetters auf einen Plan B zurückgreifen. Christian schlug mir gänzlich unbekannte Berge vor und so kam es, dass wir an den beiden Tagen ganz alleine in abgelegenen Gebieten unterwegs waren. Für mich war das ein Schlüsselerlebnis und ein grossartiges Naturerlebnis dazu – seitdem wählen wir die (eher) stillen Berge für unsere Touren aus.
Unser heutiges Ziel ist der Crasta Mora – der schwarze Grat. In aller Herrgottsfrühe fahre ich mit dem Zug Richtung Graubünden und treffe mich wie vereinbart mit Christian. Gemeinsam fahren wir mit dem Auto auf den Albulapass, der das Albulatal mit dem Engadin verbindet.
Vom Parkplatz im Bereich von Chaunt da la Crasta aus ist der Crasta Mora bereits in seiner ganzen Grösse zu sehen. Es ist ein zerklüfteter und doppelgipfliger Granitberg, den wir von Ost nach West überschreiten wollen.
Zuerst geht es weglos über Weidegelände in eher östlicher Richtung in die Gegend von P. 2401. Da wird das Gelände zunehmend steiler und auch karger. Über Blocktrümmer und Geröll steigen wir hoch zum kleinen See bei P. 2502 und weiter via P. 2661 auf den breiten Gratrücken zu P. 2744. Da machen wir Mittagspause und geniessen das prächtige Panorama. Währenddessen beobachten wir einen Steinadler, wie er sich mit Hilfe der Thermik in die Höhe schraubt. Ein sehr elegantes Schauspiel, das ich so zum ersten Mal gesehen habe.
Nach der Pause folgen wir dem Grat, der allmählich schmaler und steiler wird. Bei P. 2798 ziehen wir den Klettergurt und den Helm an. Angeseilt geht es weiter über den Grat zu P. 2935, dem Ostgipfel des Crasta Mora. Kurz vor Gipfel sehen wir ein Rudel Steingeissen mit ein paar Jungtieren, die sich verziehen als sie uns entdecken. Oben angekommen bin ich sehr beeindruckt, einerseits vom Rundblick und anderseits sehe ich nun auf unseren nächsten Abschnitt: Den zackigen und wilden Verbindungsgrat und am anderen Ende den Westgipfel. Die Steingeissen haben sich witzigerweise auf den Grat verzogen und sind uns bis zum Westgipfel immer gut 50 Meter voraus. Locker und flink bewegen sie sich in diesem steilen Gelände. Der Verbindungsgrat ist eine sehr spannende Angelegenheit. Es geht rauf und runter und wir meistern schmale und luftige Stellen. Die Gendarmen überklettern wir teilweise oder umgehen sie auf der Nord- beziehungsweise Südseite. Weiterhin werden wir dauernd von den scheuen und doch neugierigen Tieren beobachtet. Kurz vor dem Westgipfel wird das Gelände wieder einfacher und nach einer kurzen Kletterei stehen wir oben. Die Bise bläst inzwischen etwas unangenehm. Wir steigen ein paar Meter ab und suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen für die Pause. Der Ausblick ins Berninagebiet, das Engadin und ins Val Bever ist grandios.
Der teils steile Abstieg zur Fuorcla Taverna ist abwechslungsreich und ein paar spannende Stellen hält der Westgrat auch noch bereit. Nachdem wir die Fuorcla erreicht haben, verstauen wir Klettergurt und Helm wieder im Rucksack. Nun geht es über schneebedeckte Blocktrümmer und Geröll weiter runter. Zwischen den beiden kleinen Seen (P. 2416 und P. 2418) kommen wir wieder in flacheres Gelände und gelangen weglos über die weitläufigen Weiden der Val Bella zum Ausgangspunkt zurück. Ein letzter Blick zum Crasta Mora – und ich steige zufrieden und glücklich ins Auto.
Nach einem verdienten Bier verabschieden wir uns in Bergün.. und ich freue mich bereits auf den zweiten Tourentag.
Weitere Infos:
- SAC Clubführer Bündner Alpen 6: Vom Septimer zum Flüela